- Basis-Tarif
Dieser Bestandteil ist dem Konsumenten als Handytarif bekannt und wird von den Mobilfunkbetreibern beworben. Die Basis-Tarife haben bei den meisten Netzbetreibern einen eigenen Namen, der auch für Marketing-Zwecke verwendet wird. Basis-Tarife werden meist in Verbindung mit einer Mindestvertragsdauer angeboten. Durch diese Bindung erwirbt der Kunde das Recht auf einen reduzierten Preis für die Anschaffung eines Handys. - Optionen
Als Ergänzung zum Basis-Tarif kann jeder Kunde eine Option kaufen, die meist eine Vergünstigung bei bestimmten Diensten oder Tarifzonen bietet (z. B. SMS-Paket). Optionen können - so wie auch Basis-Tarife - mit einer Mindestvertragsdauer verbunden sein. Bestellt ein Kunde eine Option mit Vertragsbindung, senkt diese Bindung in den meisten Fällen die Anschaffungskosten eines Handys.
Bestandteile eines Handy-Tarifs
Ein Handy-Tarif umfasst folgende Komponenten:
Fixkosten
Unter Fixkosten sind die nutzungsunabhängigen Grundgebühren, die monatlich verrechnet werden, zu verstehen. Zu beachten ist hier, dass auch die Optionspakete meist mit einer fixen monatlichen Grundgebühr versehen sind. Die Fixkosten sind bei den meisten Providern auch eine tragende Komponente für die vorzeitige Auflösung eines Vertrages. So verrechnen die Netzbetreiber in einer solchen Situation die noch offenen Grundgebühren.
Gebühren für Telefongespräche
Bei den Gebühren für Telefongespräche sind zunächst folgende Unterscheidungen zu treffen:
- Telefon-Gespräche im Inland
- Gespräche ins Ausland (”Auslandsgespräche”)
- Gespräche im Ausland (”Roaming-Gespräche”)
Für die konkrete Berechnung der Kosten eines Telefongespräches sind verschiedene Parameter von Bedeutung:
Dauer bzw. Tarifeinheiten eines Gespräches
Die Dauer wird in Verbindung mit der Taktung von Sekunden, auf Tarifeinheiten umgelegt.
Taktung des Tarifs
Unter Taktung wird der Takt des Gebührenzählers verstanden, also die Grundlage für die Umrechnung von Sekunden auf Tarifeinheiten. In Österreich werden Taktungen angeboten, die von Tarif zu Tarif unterschiedlich sein können. Die Taktung eines Tarifs wird üblicherweise in der Form XX/YY angegeben, wobei XX die Einheit für die erste Gesprächsminute und YY die weiteren Minuten beschreibt.
Beispiel 1: Taktung 60/30, Gesprächsdauer 25 Sekunden:
Für dieses Gespräch werden insgesamt 1 Tarifeinheiten verrechnet (die erste Minute wird auf 60 Sekunden aufgerundet). Werden bei einem solchen Tarif die Kosten für eine Minute mit 20 Cent angeboten, dann würde dieses Gespräch insgesamt 20 Cent kosten.
Beispiel 2: Taktung 60/30, Gesprächsdauer 125 Sekunden:
Für dieses Gespräch werden insgesamt 2,5 Tarifeinheiten verrechnet. Werden bei einem solchen Tarif die Kosten für eine Minute mit 20 Cent angeboten, dann würde dieses Gespräch insgesamt 50 Cent kosten.
Zielnetz
Die Preise der Tarife werden in der Regel gestaffelt angeboten, abhängig vom Zielnetz werden unterschiedliche Preise verrechnet. Die angegebenen Preise beziehen sich auf eine Tarifeinheit, das einer Gesprächsminute entspricht.
Gebühren für SMS / MMS
Kurznachrichten (SMS) werden nach Anzahl der versendeten Nachrichten abgerechnet. Für eingehende Nachrichten werden keine Kosten verrechnet. Bei Multi-Media-Nachrichten (MMS) erfolgt die Abrechnung in der Regel nach Mengeneinheiten, es gibt aber auch die Möglichkeit bei einzelnen Providern MMS pro Nachricht abzurechnen. Für die Übertragung einer MMS ist weiter ein Zugang über GPRS notwendig. Als Grundvoraussetzung für die Verwendung von MMS wird ein entsprechendes Gerät vorausgesetzt.
Gebühren für Datenübertragungen
Bei der Übertragung von Daten sind die verschiedenen Übertragungsprotokolle von großer Bedeutung, da diese Protokolle auch die Kosten bestimmen. Es werden derzeit folgende Übertragungsprotokolle unterschieden:
- GSM (Global System for Mobile Communication)
- GPRS (General Packet Radio Service)
- WAP (Wireless Application Protocol)
- HSCSD (High Speed Circuit Switched Data)
- UMTS (Universal Mobile Telecommunications Service)
- HSDPA (High Speed Downlink Packet Access)
- EDGE (Enhanced Datarates for Global Evolution)
Für die Übertragung von Daten wird ähnlich bei der Taktung in Blockungen abgerechnet. Die Blockung ist von Provider zu Provider unterschiedlich. Die Kosten bei den Tarifen werden meist in MB angeboten.
Für die Kosten von Datenübertragungen ist zu beachten, dass die meisten Provider alle oder zumindest mehrere Protokolle mit unterschiedlicher Preisgestaltung anbieten. Wird diese Funktion am Handy genutzt ist für die Abrechnung der Zugangspunkt entscheidend. Wenn z.B. als Standard Zugangspunkt eine WAP Verbindung gewählt wird, dann werden alle Datenübertragungen zu WAP Kosten verrechnet. WAP kostet in der Regel ein Vielfaches von GPRS oder UMTS bei deutlich verminderter Übertragungsqualität. In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass viele Provider die Handys bereits vorkonfiguriert ausliefern, meist in der Form, dass jene Zugangspunkte mit den höchsten Kosten als Standardverbindung konfiguriert sind.
Gebühren für Mehrwertdienste
Darunter werden Gespräche oder SMS zu bestimmten Nummernkreisen verstanden. Gespräche oder Nachrichten zu solchen Nummern unterliegen nicht der Abrechnungshoheit der Provider, hier gelten die Preise des Anbieters solcher Mehrwertleistungen. Um hohe Kosten zu vermeiden können diese Dienste durch den Provider gesperrt werden (empfiehlt sich vor allem für Jugendliche).
Gebühren für allgemeine Services (z. B. Tarifwechsel, Anmeldung, etc.)
In dieser Rubrik können alle sonstigen Kosten verstanden werden. In der Regel tendieren Netzbetreiber dazu alle konkreten Dienstleistungen auch zu verrechnen. Beispiele für solche Dienstleistungen sind Sperre eines Handys, Ausstellung einer neuen SIM-Karte, Tarifwechsel, Anmeldung eines Tarifs, etc.
Die Kosten zur Errichtung eines Vertrages mit einem Mobilfunkanbieter sind grundsätzlich verschieden. Viele Provider tendieren dazu diese Kosten mit einer Aktion zu verbinden und so den Einstieg zu erleichtern. An Einmalkosten sind zu unterscheiden:
Aktivierungsentgelt
Diese Gebühren werden für die Freischaltung der SIM-Karte verwendet
Tarifwechselgebühr
Will man in einen anderen Tarif wechseln, können abhängig vom Wechsel unterschiedliche Kosten verrechnet werden. Interessant ist die Erfahrung, dass diese Gebühren meist gut verhandelbar sind.
Gebühren für ein vorzeitiges Vertragsende
Will man aus einem laufenden Vertrag aussteigen verrechnen die Provider unterschiedliche Kosten. Meist ist damit zu rechnen, dass die noch verbleibenden Grundgebühren und eine zusätzliche fixe Gebühr verrechnet werden.
Gutschriften
Gutschriften können entweder aufgrund einer fehlerhaften Abrechnung, einer Bonusauszahlung oder aufgrund des Tarifangebotes zustande kommen.
Vertragsmodalitäten bei Handy-Tarifen
Die meisten Provider versuchen über einen aggressiven Preiskampf Kunden zu akquirieren. Dadurch ist unter anderem auch der unüberschaubare Tarifdschungel entstanden.
Grundsätzlich wird auf Seite der Provider versucht, den Konsumenten einen Vertrag mit Vertragsbindung zu verkaufen. Durch eine solche Bindung (der Kunde bindet sich zwischen 12 und 24 Monate an den Provider) hat man die Möglichkeit, ein neues Handy zu einem vergünstigten Preis zu kaufen. Hier ist anzumerken, dass die meisten Tarife auch ohne Bindung erhältlich sind - in einem solchen Fall gelten normale Kündigungsfristen (in der Regel 4 Wochen). Maßnahmen, die die Attraktivität eines Tarifs verändern, sind vor allem folgende Zugaben bei Abschluss eines Vertrages:
Freiminuten-Pakete
Hierzu gehört eine bestimmte Anzahl an Freiminuten in verschiedene Netze. Wichtig dabei ist zu beachten, dass Freiminuten immer im Rahmen der Taktung abgerechnet werden. Tarife mit umfassenden Freiminuten Paketen werden im Fachjargon auch als “Flatrate Tarife” bezeichnet.
SMS Pakete
Ähnlich zu den Freiminuten sind verschiedene Tarife auf dem Markt, die eine bestimmte Anzahl an Gratis SMS beinhalten.
Gratisvolumen für Datenübertragungen
Entsprechend den Freiminuten und SMS Paketen gibt es bei vielen Tarifen ein kostenloses Volumen für Internet Services (Web oder Email).
Neben den erwähnten Bonus-Leistungen hat ein Konsument auch die Möglichkeit über ein Options-Paket Kosten zu sparen. Hier ist es jedoch besonders wichtig, das eigene Telefonierverhalten einschätzen zu können, da sonst zusätzlich monatliche Kosten entstehen.
Ein weiterer wichtiger Punkt für die Auswahl des richtigen Tarifs ist der Umstand, dass Tarife mit höheren Fixkosten tendenziell günstigere Preis für Gespräche und Nachrichten anbieten, während Tarife ohne Grundgebühr (z.B. Wertkarten) zwar keine Fixkosten verursachen, jedoch deutlich höhere Gesprächsgebühren berechnen. In jüngster Zeit sind neue Service - Provider in den Markt eingetreten, die versuchen, dieses Manko zu beheben und bei Wegfall der Grundgebühr dennoch günstige Preise anzubieten. Dazu ist zu erwähnen, dass bei solchen Tarifen häufig ein sogenannter Mindestumsatz vereinbart wird, was letztlich einer herkömmlichen “Grundgebühr” gleichkommt.
Wie ermittelt man den besten Tarif
Aufgrund der komplexen Struktur von Handy-Tarifen ist eine exakte Berechnung des besten Tarifs mit einem sehr hohen Zeitaufwand verbunden. Für die Ermittlung der Kosten sind insbesondere die Taktung von Bedeutung, da durch die Taktung eine Aufrundung jedes einzelnen Gespräches zum vorgegebenen Takt erfolgt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Einschließung aller Boni, die mit einem Tarif verkauft werden. Hierzu zählen unter anderem Freiminuten oder Gratis-SMS. Diese vermeintlichen Geschenke sind in den meisten Fällen an bestimmte Bedingungen geknüpft und sind in jedem Fall richtig einzustufen. Oftmals werden sogar sich überschneidende Freiminuten Pakete angeboten (z.B. Freiminuten netzintern und Freiminuten in alle Netze), wodurch man unter gewissen Umständen das freie Volumen gar nicht ausschöpfen kann. Als Unterstützung bei der Ermittlung des richtigen Handy-Tarifs gibt es im Internet einige Tarifrechner, die grundsätzlich in zwei Gruppen zu teilen sind:
Tarifrechner, die aufgrund von geschätzter Benutzereingaben Berechnungen durchführen
Tarifrechner, die aufgrund des elektronischen Einzelgesprächsnachweises eine exakte Durchrechnung anbieten.
Der einfachste und genaueste Weg führt über den elektronischen Einzelgesprächsnachweis, der im Wesentlichen das Verhalten des Nutzers beinhaltet. Aufgrund der Aufzählung aller Gespräche und Nachrichten mit Informationen zu Zeitpunkt, Dauer und Kosten, kann exakt ermittelt werden, wo Sparpotential liegt. Im Grunde wird mit dieser Art der Tarifberechnung die Frage “Was würde mich meine Rechnung in einem anderen Tarif oder bei einem anderen Provider kosten?” beantwortet. Durch diese Form der Tarifermittlung schafft man eine objektive Entscheidungsgrundlage und entzieht sich den Kräften der Werbung, die den Konsumenten permanent suggeriert, dass Telefonieren mit dem Handy eigentlich nichts kostet - eine Rechnung über Null Euro ist jedoch eher selten anzutreffen.



